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Lesbisch sein in ...

 

 

Großenbrode

 

 

 

 

 

 

 

 

Interview mit

 

Katharina Hocke & Undine Knappwost

 

Betreiberinnen des Café Mehlbeere

im Ostseeheilbad Großenbrode

 

 

 

Interview: Christine Stonat (9/2017)

Fotos: privat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

weird: Café Mehlbeere. Benannt nach dem Mehlbeerbaum, der in eurer Gegend in und um Großenbrode wächst. Richtig? Gibt es für euch eine besondere Verbindung dazu?

 

Katharina Hocke: Ja, klar. Die Mehlbeeren sind nicht nur für die Gegend typisch, sondern stehen auch bei uns auf dem Grundstück. Wir haben nach einem Namen gesucht, der zu uns, zur Natur und zum Café passt.

 

Undine Knappwost: Außerdem finde ich es ganz gut, dass man häufig gleich ein Gesprächsthema hat, weil viele nachfragen, was Mehlbeeren denn sind. Abgesehen davon klingt der deutsche Name ja auch nach Backwerk. Man hat die Beeren früher zum Strecken von Mehl genommen. Das machen wir natürlich nicht (*grins*). Heute nutzen sie eigentlich nur noch die Vögel. Allerdings haben wir uns auch eine extra Mehlbeerenseife machen lassen, die nun in unserer Verkaufsecke steht.

 

 

weird: Ihr betreibt euer Café seit 2015. Als u. a. Umweltpädagoginnen seid ihr Quereinsteigerinnen in der Gastronomie. Woher kam euer persönlicher Traum vom eigenen Café?

 

Undine Knappwost: So gibt es das Konzept nirgendwo. Wir haben beide vorher lange in der Umweltbildung gearbeitet und gemerkt, dass v. a. bei Gruppen häufig für die GruppenleiterInnen, z. B. LehrerInnen oder ErzieherInnen, eine Tasse Kaffee schwer zu bekommen ist, aber sehr, sehr gerne angenommen wird.

 

Katharina Hocke: Meistens sind die Angebote von Naturerlebnissen und Catering nicht aufeinander abgestimmt. Wir bieten das aus einer Hand an. Wir wollten ein Café haben, das wir auch selber gerne besuchen würden.

 

 

weird: Ihr bietet in eurem Café bzw. darüber hinaus u. a. eben auch als Umweltpädagoginnen zudem zahlreiche Veranstaltungen wie Fortbildungen, Exkursionen, besondere Wanderungen oder Naturerlebnisse an. Wie kam es zu der Idee das zu kombinieren?

 

Undine Knappwost: Das haben wir ja jetzt schon ein bisschen beantwortet. Wichtig ist uns auch noch, dass man eben nicht nur die Kombination bei uns bekommt, sondern beides auch getrennt. Du kannst also auch in Ruhe bei uns deinen Frappé oder Cappuccino trinken, ohne dass jemand mit dir über Bäume oder das Meer spricht.

 

Katharina Hocke: Andererseits ist es auch viel einfacher, Cafégäste für die Natur zu begeistern, wenn sie bei uns im Garten sitzen und unsere Kräuter oder den Steinetisch betrachten. Wer Lust hat, kann bei uns Walderdbeeren pflücken oder Sanddorn probieren. Und den Kräutertee kannst du dir bei Bedarf auch selber aus dem Garten zusammenstellen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Menschen die Natur brauchen und finde es wichtig, den Kontakt herzustellen.

 

 

weird: Außerdem veranstaltet ihr Events für Lesben. Geöffnet habt ihr das ganze Jahr. Wer sind eure Gäste und wie weit ist euer Einzugsgebiet bei ja nur rund 2200 Einwohner_innen des Ortes?

 

Katharina Hocke: Die Lesben kommen zum Teil von weiter her, weil sie von uns gehört haben und dann gerade im Urlaub hier sind. Die Lesben direkt um die Ecke entdecken uns auch so langsam.

 

Undine Knappwost: Wir haben unter anderem mehrere Wiederholungstäterinnen aus NRW. Interessanter Weise haben wir mehr lesbische Gäste aus Kiel und Hamburg als aus Lübeck, obwohl Lübeck ja etwas dichter dran ist. Und Eutin gehört auch zum Einzugsbereich. Gerne würde ich eigentlich noch mehr Lesbenevents veranstalten, wenn ich wüsste, dass die Nachfrage da ist. Hier bietet sich der kleine Werbeblock an: Wer unseren Newsletter mit L-Terminen bekommen möchte, kann uns einfach eine Mail an cafemehlbeere @gmx.de senden. Außerdem solltet ihr euch auch schon den nächsten Ostersamstagnachmittag freihalten.

 

 

weird: Wie lesbenfreundlich ist der Ort Großenbrode, wo das Café Mehlbeere residiert?

 

Katharina Hocke: Wir haben bisher hier keine Schwierigkeiten bekommen. Wir leben offen lesbisch.

 

Undine Knappwost: Manchmal bin ich mir aber nicht sicher, wie über uns geredet wird. Eigentlich sind hier alle ganz nett zu uns. Gäste von unserem Lesben-Ostercafé haben Großenbrode spaßeshalber in Lesbenbrode umgetauft. Davon sind wir aber weit entfernt - leider.

 

 

weird: Seid ihr mit eurem Café das einzige lesbische Angebot vor Ort?

 

Katharina Hocke: Ja, das sind wir. Aber wir sind nicht die einzigen Lesben hier im Ort.

 

 

weird: Habt ihr das Gefühl, dass ihr mit eurer Arbeit und eurem Café etwas zur allgemeinen Akzeptanz beitragen könnt/konntet?

 

Katharina Hocke: Schwer zu sagen. Ja, vielleicht schon, weil die netten Lesben von nebenan sind.

 

Undine Knappwost: Ich denke auch. Alleine schon deshalb, weil wir es nicht verstecken.

 

 

weird: Im September 2017 habt ihr in Skala Eressos auf Lesbos einen Nature Experience Workshop im Rahmen des alljährlichen Internationalen Women’s Festivals gegeben. Wie war’s beim Festival und was ist für euch das Besondere an Skala Eressos?

 

Undine Knappwost: Es war großartig! Ich habe Flugangst und sterbe jedes Mal vorher und frage mich, warum ich mir das antue. Aber wenn ich dann da bin, will ich nicht wieder weg. Letztes Jahr haben wir zum ersten Mal den Workshop gegeben. Dieses Jahr gab‘s die Neuauflage. Ganz anders irgendwie, weil die Teilnehmerinnen so unterschiedlich waren, aber auch wieder toll.

 

Katharina Hocke: Es ist einfach wunderbar: Das Meer und diese ganzen Lesben! (*lach*) Es gibt viele gute Angebote, eigentlich ist für jede was dabei. Unser persönlicher Favorit ist die Skala Women‘s Rock Group. Das ist das Angebot von Faye und Tamsin, mit vielen Frauen gemeinsam morgens zum Rock, dem Felsen vor Skala, und zurück zu schwimmen.

 

Undine Knappwost: Und das Festival ist nun wirklich auch politisch und setzt sich für Lesben- und Frauenrechte ein! Wir können wirklich jeder empfehlen, dort mal hinzufahren.

 

 

weird: Wie lange seid ihr schon zusammen und wie habt ihr euch kennen gelernt?

 

Katharina Hocke: Wir haben uns ganz langweilig auf der Arbeit kennengelernt und sind dann gar nicht langweilig 2008 zusammengekommen. Seit 2012 sind wir verpartnert und ab/seit dem 5.10.17 ist es nun eine richtige Ehe. Wir haben uns natürlich sofort umschreiben lassen.

 

Undine Knappwost: Übrigens liegt Katharinas erster Ehering vor Skala Eressos im Meer. Ich sag nur „Sonnencreme und Wasserball“. Inzwischen trägt sie natürlich den gleichen wieder. Aber der originale sozusagen liegt in der Ägäis. Soviel auch zu der Frage, was das Besondere für uns an Skala Eressos ist.

 

 

weird: Seid ihr direkt aus Großenbrode, falls nein, was hat euch dort hingebracht und dazu gebracht gerade dort das Café zu eröffnen?

 

Katharina Hocke: Wir kommen aus Hamburg bzw. Undine ist ein Hamburg-Niedersachsen-Mix. Es war nicht so einfach, das passende Gebäude und Gelände zu finden. Und es sollte irgendwo zwischen Hamburg und der Ostsee liegen, an einem See oder an der See. Und Großenbrode hat einen Bahnhof, das war uns auch wichtig.

 

 

weird: Katharina, du bist außerdem auch Heilpraktikerin und gehörst u. a. zum Dozent_innen-Team der Plattform kraeuter-entdecken.de. Was sind deine Schwerpunkte dort?

 

Katharina Hocke: In Isa-Susannas Programm übernehme ich einige Kurse, die hauptsächlich mit Pädagogik, Kreativität mit Kräutern und Pflanzenkunde zusammenhängen. Hier in Großenbrode in meiner eigenen Praxis, die im selben Haus wie die Mehlbeere ist, arbeite ich als Homöopathin und biete noch Bachblütenberatung und Reiki an.

 

 

weird: Wie sehr spiegelt sich deine Erfahrung in dem Bereich ggf. auch in eurem Essens-Angebot im Café wider?

 

Katharina Hocke: Wir verwenden die Kräuter aus unserem Garten nicht nur im Kräutertee sondern auch z. T. im Kuchen. Ich mache zum Beispiel Brennnessellimettentorte. Die Kräuter, die wir hier verkaufen, ziehe ich selber.

 

Bei den Smoothieabenden lasse ich das Wissen über die Verwendung und Wirkung einzelner Pflanzen mit einfließen. Außerdem halte ich ab und an hier auch Vorträge.

 

 

weird: Bio, fair. Was ist sonst das Besondere an euren Café-Essens-Getränke-Angeboten?

 

Undine Knappwost: Lecker!!! Möglichst frisch aus unserem Garten. Definitiv selbstgebacken und eben dann auch oft selbst gepflückt. Und wir verwenden viel die alten schwedischen Rezepte und die alten deutschen Rezepte. Ich glaube, die Käsetorte hat schon meine Oma gemacht und mit dem Topfkuchen von meiner Mama und Tante Helga bin ich groß geworden.

 

Katharina Hocke: Für VeganerInnen und AllergikerInnen ist eigentlich auch immer was dabei. Und natürlich haben wir den original griechischen Frappé von Lesbos mitgebracht und bei uns im Angebot.

 

 

weird: Was ist euer Lieblingsspot in oder in der Nähe von Großenbrode?

 

Katharina Hocke: Mit dem Fahrrad über die Fehmarnsundbrücke zu fahren.

 

Undine Knappwost: Von der Brücke aus so zu gucken, dass man kein Land sieht.

 

 

 

 

 

Interview: Christine Stonat (9/2017)

Fotos: privat

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Undine Knappwost (36) und Katharina Hocke (55) sind Betreiberinnen des Café Mehlbeere im schleswig-holsteinischen Großenbrode. Die beiden sind seit 2012 verpartnert und haben sich mit in Kraft treten der Eheöffnung für gleich*geschlechtliche Paare zum 1.10.17 umschreiben lassen und sind ab dem 5.10.17 offiziell verheiratet. Die Hamburger Heilpraktikerin, Lehrerin und Forstwissenschaftlerin haben ihr Café 2015 in dem rund 2200 Einwohner_innen großen Ostseeheilbad Großenbrode am Fehmarnsund eröffnet. Seither versuchen sie dort ganzjährig ihre Cafégäste nicht nur mit fair und bio Kaffee und selbstgemachten Kuchen- und anderen Spezialitäten, sondern auch für die Natur zu begeistern. Neben lesbischen Veranstaltungen bieten sie vor allem besondere Naturerlebnisse wie Wanderungen, Umweltworkshops für Erwachsene und Kinder und vieles mehr. weird sprach im aktuellen E-Mail-Interview mit Katharina Hocke und Undine Knappwost über ihr Café Mehlbeere, das besondere Konzept, lesbisch sein in einem kleinen Urlaubsort, ihren gerade im September 2017 beendeten Aufenthalt beim International Women‘s Festival im Lesben geprägten Ort Skala Eressos auf Lesbos und vieles mehr.

 

 

Online: www.cafe-mehlbeere.de

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Interview-Steckbrief

- in eigenen Worten -

 

 

Name: Katharina Hocke (Foto, links) und Undine Knappwost (Foto, rechts)

Alter: 55 und 36

Beruf: Lehrerin + Heilpraktikerin und Forstwissenschaftlerin, beide sind wir jetzt Mehlbeeren

Wohnort: Großenbrode

Meine weirdeste Eigenschaft: Wir wohnen in Großenbrode.

Ausgabe Nr. 120

Oktober 2017

Im Bio-Garten des Frauen cafés Mehlbeere in Großenbrode ist Naschen erwünscht

Das Café Mehlbeere: Lesbische Sichtbarkeit im Ostseeheilbad Großenbrode

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