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HipHop aus Bielefeld

 

 

 

 

 

Was mit dem Rest der Welt los ist

 

 

 

 

 

 

Interview mit

Crazie Nabz

 

 

 

Interview: Christine Stonat (8/2019)

Fotos: Crazie Nabz

 

 

 

 

 

 

weird: Wie und wann hast du angefangen Musik zu machen und wann war für dich klar, dass es für dich deutschsprachiger Hip-Hop ist?

 

Crazie Nabz: Ich bin mit amerikanischem Hip-Hop aufgewachsen. Als Teenager habe ich gerne Gedichte geschrieben. Irgendwann kam es dann dazu, dass ich meine Gedichte auf den 4/4-Takt schreiben wollte und somit dann mit 14 angefangen habe Texte zu schreiben und meine große Liebe zum Rap noch stärker wurde. Angefangen mit deutschen Texten, aber mittlerweile rappe ich in 3 verschiedenen Sprachen.

 

 

 

weird: Seit wann gibt es dich als Crazie Nabz auf Bielefelder Bühnen bzw. auf Internetplattformen?

 

Crazie Nabz: Seit Juli 2018 bringe ich Musikvideos raus, die man sich auf meinem YouTube-Kanal anschauen kann (youtube.com/crazienabzofficial), und seit letztem Jahr habe ich immer wieder Auftritte, sei es bei Mano Mano im Alarmtheater, Bunker Ulmenwall, AJZ, aber auch mit meiner Liveband (Culture Movement Group) konnte man mich schon öfter dieses Jahr auf verschiedenen Veranstaltungen sehen.

 

 

 

weird: Am 14.9.19 trittst du im Frauenkulturzentrum Bielefeld im Rahmen von dessen 35-jährigen Jubiläum auf. Wenn du auftrittst, bist du allein oder mit Band und was bedeutet auf der Bühne zu stehen und live zu rappen für dich?

 

Crazie Nabz: Im Frauenkulturzentrum werde ich die Bühne als Solokünstlerin rocken. Meine Musikbandbreite ist recht umfangreich und ich habe genügend Material von mir. Live zu performen bedeutet mir sehr viel. Meine Gefühle in Reime verpackt mit Ausdruck und Melodien zu begleiten plus es mit anderen zu teilen, ist für mich ein unbeschreibliches Gefühl.

 

 

 

weird: Gibt es weitere Auftritte von dir 2019?

 

Crazie Nabz: Ja. Am 28.09.2019 trete ich als Crazie Nabz auch an Nachtfrequenz im Bunker Ulmenwall auf. Es werden noch weitere folgen, dessen Datum man dann auch auf meinen Plattformen verfolgen kann.

 

 

 

weird: Seit Dezember 2016 veranstaltest und moderierst du im IBZ Bielefeld die Show Jackmove und bietest damit eine Plattform vor allem für Hip-Hop- aber auch andere Künstlerinnen und auch dir selbst als Hip-Hop-Musikerin. Wie kam es zu der Idee und wie sieht die Show heute aus und wo und wann genau findet man euch da 2019, 2020?

 

Crazie Nabz: Jackmoveshow ist in erster Linie ins Leben gerufen worden, weil ich gerne Live performe und ne kleine Rampensau bin :D Die Idee ist aber, sich nicht nur auf Hip-Hop oder ein Genre zu beschränken. Jeder, der seine Kunst mit einem buntgemischten Publikum teilen will, ist willkommen. Außerdem gab es Leute, die das erste Mal auf der Bühne standen und es war für die ein unbeschreibliches Gefühl. Diese Gefühle miteinander zu teilen, ist einfach großartig. Was an einem Jackmove-Abend passiert, da muss man einfach dabei sein. Leute aus allen Ecken und Kulturen, Sprachen und Szenen kommen zusammen.

 

 

 

weird: Du hast mit Music & Me Recordz ein eigenes Label. Du machst schon seit einigen Jahren Musik, aber ein Album von dir gibt es bislang noch nicht. Wie versuchst du Leute mit deiner Musik zu erreichen?

 

Crazie Nabz: Richtig! Musik begleitet mich schon mein halbes Leben. Vor knapp 3 Jahren habe ich mir meinen Traum von meinem eigenen Homestudio ermöglicht und seitdem produziere ich nonstop Songs. Seit über einem Jahr bringe ich Musikvideos raus. Ich habe viel mehr produziert als man auf den öffentlichen Plattformen zurzeit sehen kann. Ich plane einen Spotify Account für Anfang des Jahres.

 

 

 

weird: Du kommst aus Bielefeld und trittst für Bielefeld und OWL ein, für die Sichtbarkeit, von wegen gibt’s ja gar nicht, und gibst der Stadt ein cooles Gesicht. Warum ist dir das wichtig?

 

Crazie Nabz: Erstmal ich bin hier geboren und aufgewachsen. Ja, ich bin Bielefelderin. Wir haben hier so viele Talente auch gerade in der Musik. Für mich war es wichtig hier etwas aufzubauen und zu etablieren als Frau aus dieser Stadt und mit der Liebe zum Hip-Hop einer eher männerdominierten Szene. Egal ob jung oder alt, egal welchen Hintergrund, Religion oder welche Sprache man noch spricht. Bielefeld ist offen und kulturbunt, und das sollen die Leute sehen. Uns gibt’s wirklich und wie es uns gibt.

 

 

 

weird: Deine Facebook-Info sagt Heimatstadt: London – Tunisia – Paris – Bielefeld. Was bedeuten die einzelnen Orte für dich?

 

Crazie Nabz: In allen diesen Städten fühle ich mich auch ein Stück zuhause. In Bielefeld bin ich geboren und aufgewachsen, meine Wurzeln aber liegen auch in Tunesien, in London habe ich 3 Jahre meines Lebens gelebt und in Paris bin ich häufiger aufgrund Familie, die ich dort auch habe. Also in allen diesen Städten habe ich oder verbringe ich ein teil und deshalb hinterließ ich auch dort Spuren, so wie diese Spuren in mir hinterlassen haben.

 

 

 

weird: Du empowerst Frauen, besonders im Hip-Hop. In deinem aktuellen Video „Wer wir sind“, das du Mitte Juli 2019 veröffentlicht hast, ist das ein Thema. Wie nimmst du das in der Bielefelder Hip-Hop- und Musik-Szene wahr im Hinblick auf den Frauenanteil weiblicher Künstlerinnen, Frauenfeindlichkeit und Anerkennung von Frauen?

 

Crazie Nabz: Bielefeld ist im Hip-Hop nicht so etabliert vor allem nach Deutschland raus hin. Na ja, viele sind in Großstädte gezogen und denken, dass sie dort mehr Erfolg haben aufgrund der Szene dort. Das kann ja auch gut sein, aber warum nicht seine Stadt auf den Schultern tragen? Hier was aufbauen und die jungen Künstler mit ins Gepäck nehmen. In Sachen weiblichen Anteil im Hip-Hop gibt es in Bielefeld bestimmt einige Mädels, die sich vielleicht aber noch nett so trauen nach außen hin. Ich will als Frau die Plattform ermöglichen und euch da draußen sagen: „Hey traut euch!“ Bisher habe ich ein junges Mädchen mal auf der Bühne gesehen, die rappt, das hat mir sehr gefallen. Frauen gehörten schon immer zum Hip-Hop genau wie die Männer. Ich denke einfach, dass die Gesellschaft Frauen von klein auf immer als etwas schwächer ansieht. Wir müssen ja dem perfekten Hausfrauenbild gerecht werden :D schön sein, kochen und uns um die Kinder kümmern. Dabei können wir das alles sein und tun und uns trotzdem in Männer dominierten Bereichen wie Musik, Politik oder Sport entfalten. Das Bild der etablierten starken Frau war doch schon immer Thema und wird es auch immer sein. Jeder sollte frei sein seine Kunst zu kreieren zu etablieren und zu teilen. Musik ist Kunst und Kunst hat keine Grenzen!

 

 

 

weird: In dem Video „Wer wir sind“ featurest du Priscilla, die den auf Französisch gesungenen Refrain beisteuert. Kannst du etwas zu Priscilla sagen und wie es zu der Zusammenarbeit kam?

 

Crazie Nabz: Priscilla ist ein junges talentiertes Mädchen. Sie wurde mir vorgestellt als ich auf dem Kesselbrink letztes Jahr mit der Band Passepartou ein Konzert gegeben habe. Später wurde sie dann auch Mitglied in meiner Live Band Culture Movement Group. Dort haben wir bemerkt wie gut wir zusammen als Musikerinnen harmonieren. Seitdem arbeiten wir immer wieder zusammen. Allerdings ist Priscilla auch solo unterwegs und wird auch oft für Gospel-Geschichten gebucht.

 

 

 

weird: Crazie Nabz – Was an dir ist besonders „crazy“, dass es dir deinen Namen verleiht?

 

Crazie Nabz: Eigentlich habe ich es als Teenager gehasst, wenn man mich verrückt nannte. Das hatte mir gar nicht gefallen. Na ja, vielleicht weil man so was immer erst als negativ wahrnimmt. Aber heute ist mir klar geworden, dass man meine verrückte Art als positive Verrücktheit ansieht. Allerdings verstehe ich das bis heute nicht, muss ich ehrlich eingestehen :D Meine Verrücktheit ist wohl in den Augen der anderen meine Offenheit, mein Humor, meine Lebenslust und nicht zu vergessen meine enorme Energie, die allen ständig auffällt. Muss wohl etwas unnormal in den Augen der anderen sein. Wenn das verrückt ist, dann frage ich mich, was mit dem Rest der Welt los ist :D

 

 

 

 

 

 

Interview: Christine Stonat (8/2019)

Fotos: Crazie Nabz

Über weird | Archiv

Ausgabe Nr. 139

September 2019

Keine Labels, ich bin ich, sagt Crazie Nabz. Nabila Trabelsi aka Crazie Nabz (32) aus Bielefeld ist HipHop-Musikerin. Sie ist MC, Sängerin, Songschreiberin, Produzentin, Mixing, Moderatorin, Tänzerin und rappt in drei Sprachen. Hauptsprache ist Deutsch. Seit einem Jahr hat sie auf YouTube einen eigenen Kanal und ist auf Facebook verstärkt präsent. Im Juli 2019 veröffentlichte sie ihr neues Video „Wer wir sind“ (feat. Priscilla), eine Hommage an Bielefeld und mit Lines wie „Übernahme Frauenrap, habt ihr‘s jetzt gecheckt?“ auch ein feministisches Statement. Musik macht Crazie Nabz seit sie 14 ist. Heute hat sie ein eigenes Homestudio und produziert ihre Musik professionell in Eigenregie. „Musik ist Kunst, Kunst hat keine Grenzen. Ich will einfach nur Musik machen. Kunst kreieren und diese teilen“, sagt sie. Seit Dezember 2016 veranstaltet und moderiert Crazie Nabz im IBZ Bielefeld die Show Jackmove und bietet damit eine Plattform vor allem für HipHop- aber auch andere Künstler_innen und auch sich selbst als HipHop-Musikerin. Die nächste Show, Jackmove Part 8, ist für März 2020 geplant.

 

Am 14.9.19 tritt Crazie Nabz im Frauenkulturzentrum Bielefeld auf. Aus diesem Anlass sprach weird mit ihr vorab über ihre Musik, über Bielefeld und ihre anderen Heimatorte Tunesia, Paris und London, Frauen im HipHop, warum verrückt sein „normal“ sein sollte und mehr.

 

Online: www.facebook.com/nabz2018

 

youtube.com/crazienabzofficial

 

 

 

Crazie Nabz live:

 

14.9.19, 18.30 Uhr, 35 Jahre Fraze, Frauenkulturzentrum, Bielefeld

 

28.9.19, 20.30 Uhr, Nachtfrequenz, Bunker Ulmenwall, Bielefeld

 

28.9.19, 15 Uhr, Bie Open Jamsession, mit ihrer Liveband Culture Movement Group (CMG) Treppenplatz Brackwede, Bielefeld

Interview-Steckbrief

- in eigenen Worten -

 

Name: Nabila Trabelsi

Alter: 32

Beruf: gelernte Raumausstatterin (Schwerpunkt Polstern im Handwerk)

Wohnort: Bielefeld

Meine weirdeste Eigenschaft: Meine Energie

 

Crazie Nabz (rechts) mit Sängerin Priscilla