Seite 3

weird

© 2007-2019 weird

Über weird | Archiv

 

 

 Being Queer

 

12 Jahre weird

 Ein Selbstinterview.

 

 

 

 

 

Interview: 10/2019

Fotos: Christine Stonat/weird

 

 

 

 

 

 

 

 

weird: Wann entstand die Idee zu weird?

 

Christine Stonat: Die erste Idee entstand bereits 2001. Damals hatte ich nach ausschließlich cis-männlichen Beziehungen zum ersten Mal eine Beziehung mit einer Frau. Als erstes stand der Name „weird“. Aber die Idee ein Magazin zu machen, legte ich auf Eis. Es war damals für mich nicht umsetzbar. 2007 dann erweckte ich die Idee zu neuem Leben und setzte sie diesmal als heute bekanntes Online-Magazin weird mit monatlichen Ausgaben auf www.weird-bielefeld.de um.

 

 

 

weird: Was bedeutet „weird“ und wie kam es zu dem Namen?

 

Christine Stonat: weird ist Englisch und bedeutet soviel wie schräg, sonderbar, eigenartig, seltsam. Im englischen Sprachgebrauch ist es relativ häufig und wird durchaus auch oftmals im positiven Sinne verwandt. Die Idee zu dem Namen stammt von dem Song „weird“ von der ehemaligen Bielefelder Band Teutrine. Ein wunderschöner balladesker Rocksong mit einem ebenso wunderschönen Refrain: „Be weird, be different, be yourself, be independent, be just you / be weird, be shy, be angry, be afraid, but just stay you“! Melodie und Text haben mich damals sehr berührt. Bis heute. Später dann habe ich außerdem mit Stolz festgestellt, dass das Wort queer im ursprünglichen Sinne eine ähnliche Bedeutung hat wie weird. Der Name weird passt also bis heute perfekt!

 

 

 

weird: Was hat sich in den 12 Jahren bei weird verändert?

 

Christine Stonat: weird ist weiterhin ein Online-Magazin, das über internationale wie lokale Popkultur berichtet. weird ist heute aber ein ganz klar queeres Magazin. Vielfältiger, sensibler, politischer. Damals 2007 war das Wort queer noch nicht so geläufig und selbstverständlich im deutschen und auch englischen Sprachgebrauch. Queer bedeutet ähnlich wie weird im ursprünglichen Sinn sonderbar, eigenartig. Aber es war negativ besetzt und bis in die 1980er/90er sogar ein Schimpfwort. Erst in den letzten Jahren wurde es positiv besetzt und hat heute eine wichtige Bedeutung für Menschen, die sich als LGBTIQA und darüber hinaus definieren. Das zeigt sich in den heutigen Ausgaben von weird.

 

 

 

weird: Was bedeutet denn queer konkret für dich?

 

Christine Stonat: Für mich ganz persönlich bedeutet queer Dreierlei. Als Erstes bezeichnet es meine sexuelle Orientierung. Anders als ich es noch zu Beginn von weird dachte, bin ich nicht lesbisch. Auch würde ich mich nicht als bi oder pan bezeichnen. Ich bin queer. Ich liebe, wen ich liebe. Das Geschlecht des Menschen spielt beim Moment des Sichverliebens keine Rolle. Es war ein langer Weg, das zu erkennen. Ebenso wie Zweites. Das Wort queer bestimmt für mich persönlich neben meiner sexuellen Orientierung zugleich meine sexuelle Identität. Mir wurde nach der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen. Zeit meines Lebens habe ich versucht dem zu entsprechen bzw. zu zeigen, dass du auch eine Frau bist, wenn du nicht den gesellschaftlich dominierenden Vorstellungen davon entsprichst. Dabei war eigentlich schon als Kind klar, dass ich queer bin. Aber es vergingen viele Jahre und auch viel Arbeit für weird bis ich endlich auf Begriffe wie queer, genderqueer, non-binary und gender non-conform stieß. Das Wort queer spiegelt mich für mich am bestens wider. Nicht zuletzt auch, weil queer drittens für mich ein klares politisches Statement ist. Queer ist eine Haltung, eine Lebenseinstellung. Es geht um Solidarität, um Intersektionalität, um Awareness, um kritische Selbstreflexion. Queer sein heißt für mich auch feministisch zu sein und der patriarchal gesellschaftlich herrschenden Cis-Dya-Hetero-Normativität und anderen Normativitäten bezüglich Geschlecht, Hautfarbe, Körperform, Gesundheit/Ability und Klasse entgegenzustehen, gängige Stereotype und Klischees aufzubrechen, sensibel zu sein mit Sprache und für die Sichtbarkeit, Gleichberechtigung, Gleichbehandlung, Selbstbestimmung und bessere gesellschaftliche Lebensverhältnisse von allen Marginalisierten zu kämpfen. Und dabei geht es auch um die Anerkennung von damit verbundenen gesellschaftlichen Weiterentwicklungen und diese weiterzudenken. Queer sein ist also viel mehr als eine Theorie, es ist alltäglich gelebte Praxis und Zukunftsvision.

 

Für die Arbeit für weird bedeutet das, dass ich über die letzten Jahre versuche, im Hinblick gerade auf letztere Punkte das Online-Magazin thematisch zu füllen und zu führen.

 

 

 

weird: Was sind deine weird-Lieblingsthemen?

 

Christine Stonat: Die Antwort ist ganz klar Musik. Das merken die Leser_innen vermutlich daran, dass es überwiegend Interviews mit Musiker_innen bei weird gibt. Die Rubrik „Artefakt“ dürfte zudem die weltweit umfassendste monatliche Zusammenstellung aktueller Musik, die von Frauen, Lesben, bi, trans*, inter*, queeren Menschen gemacht wird, sein. Darauf bin ich besonders stolz und hoffe, dass dies Besonderheit auch anderen auffällt. Auch die aktuellen monatlichen Termin-Tipps in Bild und Wort sind sehr musiklastig. Ich habe Musik, besonders Independent Pop- und Rockmusik, schon immer geliebt. 1993 habe ich im Kölner Hyatt Hotel mein allererstes Musiker_inneninterview mit Neil Finn, dem Sänger der bekannten neuseeländischen Band Crowded House geführt. Seitdem bin ich infiziert ...

 

 

 

 

 

 

 

 

Interview: 10/2019

Fotos: Christine Stonat/weird

12 JAHRE weird

Ausgabe Nr. 141

November /

Dezember 2019

Am 1.11.2007 erschien die erste Ausgabe von weird auf www.weird-bielefeld.de. weird ist Bielefelds erstes und bis heute einziges Magazin mit dem Fokus auf lesbische Themen. Heute, 12 Jahre später, ist weird aber viel mehr als das. weird ist Popkultur, weird ist feministisch, queer und längst überregional bekannt. Die zuletzt zum Teil im englischen Original veröffentlichten Interviews mit Musiker_innen finden auch international Anerkennung. weird hat sich in den letzten 12 Jahren zu einem queeren, feministischen, intersektionellen Online-Magazin entwickelt. Gleich geblieben ist die inhaltliche Ausrichtung auf lokale wie internationale popkulturelle Themen. Bereits 2010 wurde weird dafür für den Alternativen Medienpreis nominiert. Das renommierte österreichische feministische Magazin an.schläge erwähnte weird erstmals in der April-Ausgabe 2013, und bezeichnete das „Interview“ als weirds „Spezialität“ sowie die satirische Rubrik „weirda“ als eine Rubrik zur „Reflexion von eigener Homo- und Transphobie, Rassismus und Sexismus“. Stolz feiert weird im November 2019 12-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass hat weird-Macherin Christine Stonat an dieser Stelle einmal nicht anderen, sondern sich selbst ein paar Fragen gestellt ...

 

Online: www.weird-bielefeld.de

Interview-Steckbrief

- in eigenen Worten -

 

Name: Christine Stonat

Alter: 50

Beruf: Journalistin

Wohnort: Bielefeld

Meine weirdeste Eigenschaft: kamerascheu

 Foto: weird Postkarte mit rotem weird Schriftzug. Steckt in pinkfarbenen Erikablüten.