Seite 1

Vita

© 2007-2021 weird

Greenscreen im Wohnzimmer

 

 

 

 

Interview

Steffi List

A queer perspective on women in pop culture

Ausgabe Nr. 157

April 2021

Interview: Christine Stonat (3/2021)

Foto: Mich ael Fle ischmann

 

 

 

weird-Interview-Steckbrief:

(in eigenen Worten)

 

Name: Steffi List

Alter: 45

Beruf: Singer/Songwriter

Wohnort: Schweinfurt

Meine weirdeste Eigenschaft: tanzen, seit Neuestem :):):)

 

 

Andrew Spencer feat. Steffi List

Single: „Because The Nightl“

Out: seit 26.2.21

 

 

 

Steffi List ist die Künstler_in mit den meisten weird-Interviews. Fast zeitgleich mit dem Start des weird-Magazins wurde Steffi List Ende 2007 als Musikerin bundesweit bekannt. weird hat sie seither „begleitet“. 2011 holte weird Steffi List u. a. zu einem Konzert ins Zweischlingen nach Bielefeld. Sechs Alben hat die lesbische Sängerin, Songschreiberin und Gitarristin seit ihrem Debut 2008 insgesamt veröffentlicht. Zunächst auf Englisch veröffentlicht Steffi List, die mit ihrer Frau und zugleich Musik-Business-Partnerin in Schweinfurt lebt, ihre Songs seit 2012 in deutscher Sprache. Ihr aktuelles Album „Viva La Vida“ ist von 2018. 2019 und 2020 erschienen mit „Lass mich frei“ und „Einer für alle“ zwei neue eigene Songs. Die letzte neue Musik von Steffi List kommt von DJs bzw. Produzenten, die Dance-Coversongs produzieren und mit Steffi List als Sängerin arbeiteten. Auch ihre neueste Singleveröffentlichung „Because The Night“ von DJ Andrew Spencer, out seit Februar 2021, ist eine Danceversion. Der Rock-Klassiker von Patti Smith wird hier zum Clubhit. Im offiziellen Video zur Single steht Steffi nicht nur gesanglich, sondern erstmals auch tänzerisch im Mittelpunkt. Wie sie das findet und noch mehr zur neuen Single und zum Video erzählt Steffi List weird im aktuellen Interview.

 

Wer Steffi List aktuell live erleben möchte, der kann dies regelmäßig online bei ihren Facebook-Livestreams tun: https://www.facebook.com/STEFFILIST

 

 

Online: www.steffi-list.de

 

 

 

 

 

weird: Deine neue Single ist ein Cover des Patti Smith-Klassikers „Because The Night“. Wie kam es dazu und zu der Zusammenarbeit mit DJ Andrew Spencer?

 

Steffi List: Nachdem wir uns vor ca. 3 Jahren über einen gemeinsamen Freund kennengelernt hatten, kamen wir schnell zu dem Entschluss, gemeinsam musikalisch zusammen arbeiten und ein Projekt starten zu wollen. Meine erste Annäherung an das Deephouse-Genre war dann die Veröffentlichung meines Songs „Lass mich frei“ über das Label von Andrew Spencer im Jahr 2019. Für den Klassiker von Patti Smith kam es dann zur erneuten Zusammenarbeit mit ihm.

 

Andrew Spencer ist seit 20 Jahre als DJ unterwegs und veröffentlichte schon viele Coverversionen von bekannten Songs genau in diesem Style, der für ihn so typisch ist. Durch die Neuveröffentlichung von Songs wie „Zombie“ (im Original von den Cranberries) erlangte er in der Szene schnell einen hohen Bekanntheitsgrad.

 

 

 

 

weird: Ist Patti Smith für dich ein musikalisches Vorbild?

 

Steffi List: Nein, dazu habe ich mich zu wenig mit ihrer Person und ihrem musikalischen Wirken beschäftigt. Trotz allem muss ich gestehen, dass ich diesen Song von ihr schon immer cool fand und ich mich so leicht damit identifizieren konnte.

 

 

 

 

weird: Der Song passt sehr gut zu dir. Also hatte „Because The Night” schon vorher eine Bedeutung für dich?

 

Steffi List: Dieser Song ist mir damals in meiner Jugend schon aufgefallen neben Songs von Janis Joplin, Helen Schneider u. a., die für mich musikalisch etwas aus der Reihe fielen. Im positiven Sinn gemeint. Nicht immer kommerziell, aber dafür sehr ausdruckstark. Das hat mich damals gepackt und beeindruckt, was bis heute so geblieben ist.

 

 

 

 

weird: Was ich bis jetzt nicht wusste, „Because The Night“ wurde von Bruce Springsteen geschrieben und war zunächst für sein eigenes Album gedacht, bevor er ihn Patti Smith anbot, die dann die Lyrics der Strophen hinzufügte. Der Song wurde ihr erster großer Hit 1978. Wie hast du dich auf die Arbeit zu dem Song vorbereitet?

 

Steffi List: Dass der Song von Bruce Springsteen ist, war mir vorher auch nicht bewusst. Erst als mir Andrew Spencer den Song vorschlug und mir einen Link zu einem Live-Mitschnitt von Bruce Springsteen schickte, wurde mir das klar. Bislang kannte ich nur die Version von Patti Smith. Beim Zuhören ist mir sofort aufgefallen, dass Bruce Springsteen überwiegend andere Lyrics sang. So habe ich etwas recherchiert und war total überrascht, dass er sich an diesem Song die Zähne ausgebissen haben soll und ihn letztendlich Patti Smith angeboten hat. Der Erfolg, den sie damit hatte, zeigt, dass seine Entscheidung damals die richtige war.

 

 

 

 

weird: Im offiziellen Video zur Single tanzt du das erste Mal, nach einer Choreographie, mit Background-Tänzerinnen. Wie war das für dich?

 

Steffi List: Schrecklich :):):) Nach meinem Empfinden kann ich absolut nicht tanzen, und mir fällt es wahnsinnig schwer, mir eine Choreografie einzuprägen und nachzutanzen. Als der Vorschlag dazu von meinem Kameramann kam, war ich erst einmal komplett überrumpelt und unsicher, ob sich das wirklich umsetzen ließe. Deshalb nahm ich ihm auch vorher schon das Versprechen ab, meine Tanzszenen so kurz wie möglich einzusetzen und nur die wenigen davon zu verwenden, die von der Synchronität her passten.

 

 

 

 

weird: Kannst du generell etwas zum Videodreh erzählen!?

 

Steffi List: Es stellte sich als erstes die Frage, welche Location im Lockdown als Drehort in Frage käme, da zu dieser Zeit schon sämtliche Veranstaltungsräume wie Theater, Kinos und Kneipen bereits geschlossen waren und es für einen Außendreh im Januar (2021) einfach zu kalt war. Wir, d. h. mein Drummer, der schon etliche Musikvideos mit mir gedreht hat, und ich, beschlossen, einen Greenscreen im heimischen Wohnzimmer aufzubauen.

 

Nach vielen Telefonaten stand ein ungefährer Ablaufplan für den Inhalt des Videos fest, inklusive professionellerTanzszenen, die so nicht zu meinen Talenten zählen. Und so holte ich eine mir bekannte Tanzsportschule aus meiner Gegend mit ins Boot. Durch die coronabedingten Auflagen und Einschränkungen, die im Januar (2021) noch herrschten, war es allerdings nicht möglich, alle Tänzerinnen gemeinsam abzudrehen. So durften sich zu meinem Kameramann nur eine weitere fremde Person in jenem Haushalt aufhalten.

 

Jede Tänzerin musste also einzeln vor die Kamera treten. Wir performten im 1,5 Stunden Takt, nacheinander, mit dem nötigen zeitlichen Abstand, ständigem Durchlüften und unter allen weiteren nötigen Hygienemaßnahmen.

 

 

 

 

weird: Gibt es aktuell weitere Projekte, an denen du arbeitest? Vielleicht nach den letzten Cover-Singles ein neues Album mit neuen eigenen Songs?

 

Steffi List: Ein neues Album habe ich derzeit zwar nicht in Planung, allerdings wird es immer mal wieder etwas Neues von mir zu hören geben, ähnlich wie aktuell durch die Zusammenarbeit mit Andrew Spencer oder vielleicht durch eine Veröffentlichung einer neuen Single auf Downloadportalen.

 

 

 

 

weird: Und wenn es ein neues Album gibt, wird es auf Deutsch oder Englisch sein?

 

Steffi List: Persönlich möchte ich schon eher im deutschsprachigen Songwriting bleiben, weil ich mich da einfach viel mehr zuhause und authentischer fühle. Natürlich kann es auch vorkommen, dass wie mit „Because The Night“ ein Songangebot in englischer Sprache bei mir ankommt und ich da gerne als Künstlerin mitmache. Trotzdem möchte ich mich da nicht auf eine Sprache festlegen und bleibe deshalb, getreu der Einstellung von Pipi Langstrumpf, auch in Zukunft offen für das, was da kommen mag: Ich mache das, was mir gefällt, mal auf Deutsch, mal auf Englisch, mal unplugged, mal im Dancebereich. Völlig egal, Hauptsache ich bleibe mir selbst treu und habe Spaß daran.

 

 

 

 

weird: Wie schreibst du deine Songs? Deine Musik? Wer schreibt deine Texte? Ich glaube, mich zu erinnern, dass du das nicht (immer) selbst machst!?

 

Steffi List: Der Text ist für mich der Ausgangspunkt eines jeden Songs. Natürlich geht es auch andersherum, wenn mir z. B. mein Produzent ein Playback zuschickt ohne Melodie und Text. Ich fühle mich eher für meine Melodien zuständig, schreibe aber auch selbst Texte oder in Zusammenarbeit mit meiner Frau.

 

 

 

 

 

 

 

Interview: Christine Stonat (3/2021)

Foto: Mich ael Fle ischmann

weird YouTube Logo mit Linkweird Twitter Logo mit Linkweird YouTube Logo mit Link