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Interview

Ọlaide Frank

A queer perspective on women in pop culture

Ausgabe Nr. 159

Juni 2021

Interview: Christine Stonat (5/2021)

Foto: Bian ca Ta ufall

 

 

 

weird-Interview-Steckbrief:

(in eigenen Worten)

 

Name: Ọlaide Frank

Alter: 26

Pronomen: sie / ihr

Beruf: Studentin und freie Autorin

Wohnort: Frankfurt am Main

Meine weirdeste Eigenschaft: Wenn mir

das Ende eines Films

nicht gefällt, ignoriere ich es und reime mir

ein eigenes Ende zusammen.

Alles andere wird in Diskussionen

nicht mehr akzeptiert.

 

 

 

 

Debutbuch

 

Ọlaide Frank

„Dunkelkalt“

(Literarische Diverse Verlag)

Gedichtband, 80 S., broschiert

Out: 15.4.21

 

Zu bestellen direkt beim Verlag hier

 

 

 

Im April 2021 veröffentlichte Ọlaide Frank ihr wunderschönes gefühlvolles Lyrikdebut „Dunkelkalt“. Ein langjährig angestrebtes Projekt, dessen konkrete Realisation fast zeitgleich mit Beginn der Corona-Pandemie im Februar 2020 begann. Im Internet auch als @VonKopfBisMond bekannt, ist das erste Buch der Schwarzen Medienkommunikationswissen-schaftlerin, Anglistin und Autorin zugleich die erste Buchveröffentlichung im Berliner Literarische Diverse Verlag. Dieser wurde 2019 von Yasemin Altınay gegründet. Herausgegeben wird das Literarische Diverse Magazine. Ein Print-Medium vornehmlich für BIPoC und LGBTIQA-Stimmen. Im Magazin finden sich seit Ausgabe #1 auch Beiträge von Ọlaide Frank. Im Herbst 2021 erscheint Ausgabe #4.

 

Ọlaide Frank schreibt bereits seit ihrer Kindheit. Bis heute sind es hauptsächlich Lyrik und Kurzprosa. Ihre Lyrik ist Ausdruck ihrer tiefen Gefühle. Es geht um Verletzlichkeit, Identität und moderne Zwischenmenschlichkeit. Lyrik zu schreiben, habe für sie etwas Heilendes, sagt Ọlaide Frank in einem Verlagsinterview. Es sei darüber hinaus ein kurzweiliger Prozess, der ihr die Möglichkeit gebe, sich mit vielen Thematiken zu befassen und wirklich bewusst abschließen zu können.

 

In Norddeutschland geboren, wuchs Ọlaide Frank (Jahrgang 1994) in Berlin auf. Im Studium fand sie nach eigenen Aussagen Zugang zu Politik, gesellschaftskritischen- und postkolonialen Themen. Ọlaide Frank hat einen Bachelor in Medienkommunikation und Anglistik und arbeitet aktuell in Frankfurt an ihrem Masterabschluss.

 

Im aktuellen weird-Interview erzählt Ọlaide Frank Näheres zu ihrem im April 2021 erschienenen Debutlyrikband „Dunkelkalt“, über Gefühle, Seelenbalsam und mehr.

 

Ọlaide Frank online: https://vonkopfbismond.com

 

 

 

 

 

 

 

weird: Im April 2021 ist dein Debut-Lyrikband „Dunkelkalt“ erschienen. Enthalten sind 4 Kapitel mit je 10 Gedichten. Aus wie vielen Gedichten hast du diese ausgewählt und wie ist die Auswahl getroffen worden?

 

Ọlaide Frank: Die meisten Gedichte sind direkt für das Buch entstanden, deshalb ist schwer zu sagen, aus wie vielen die Auswahl fiel. Ausgewählt habe ich ganz einfach nach Bauchgefühl und Stimmigkeit. Die vier Oberthemen der Kapitel (und welche Unterthemen sie je beinhalten sollten) wusste ich von Anfang an. Demnach habe ich geschaut, wie sich die einzelnen Texte in die Themen einordnen.

 

 

 

 

weird: In dem Titelgedicht „Dunkelkalt“ heißt es: „Doch niemand ist nur eins von zweien / vielleicht bin ich traurig und / fröhlich zugleich“. Ich erlebe ein vielleicht ähnliches Gefühl bei mir und nenne es für mich „happysad“. Wie würdest du beschreiben wie diese Gleichzeitigkeit sich für dich anfühlt?

 

Ọlaide Frank: Zeitweise habe ich dieses Gefühl mal Weltschmerz genannt. Selbst in besonders glücklichen Zeiten eine Form von Melancholie zu fühlen, die aber die guten Momente nicht weniger schön macht. Es ist wie du sagst eine Gleichzeitigkeit, ein bewusst sein der Vergänglichkeit der Zustände und eine Fähigkeit, in schlechten Momenten trotzdem Zuversicht zu finden. Es fühlt sich vielleicht an wie: Etwas loslassen und an etwas festhalten zur gleichen Zeit.

 

 

 

 

weird: „Dunkelkalt“ ist dabei der Zustand einer Traurigkeit und einer Tiefe an Gefühlen, den du besonders in den letzten Jahren in dir erlebt hast, sagst du selbst. Hast du eine Erklärung für die Entstehung dieses Zustands, bestimmte Auslöser?

 

Ọlaide Frank: Ich denke einzelne Auslöser gibt es da nicht. Grob gesagt: Es ist mehr eine Anhäufung von Erkenntnissen über mich selbst, diese Welt und den Prozess des Wachsens, Werdens und Loslassens, in dem ich mich befinde.

 

 

 

 

weird: Gedichte schreiben als „Seelenbalsam“. Schreibst du besonders in Phasen dieser tiefen Traurigkeit oder schreibst du eigentlich eher ständig?

 

Ọlaide Frank: Ich schreibe eigentlich immer, wenn es geht. Aber in Momenten, in denen meine Gefühlswelt sehr intensiv erscheint, ob durch Traurigkeit, Glücklichkeit oder Anderes, schreibe ich meistens mehr.

 

 

 

 

weird: Der Verlagstext du deinem Debutbuch „Dunkelkalt“ sagt, du seist mit den Gedichten, mit dem Schreiben der Gedichte auf der Suche nach dem „Erträglichen“. Hast du „das Erträgliche“ gefunden? Und wenn ja, worin?

 

Im „trotzdem“, im „weiter machen“, im Satz „no feeling is final“, darin anzuerkennen, dass Healing ein andauernder Prozess ist und genau in dieser Gleichzeitigkeit, von der wir oben sprachen.

 

 

 

 

weird: Im Internet veröffentlichst du einige deiner Gedichte auf deiner Website und auf Instagram unter dem Namen VonKopfBisMond. Hat der Name VonKopfBisMond eine besondere Bedeutung?

 

Ọlaide Frank: Für mich beinhaltet der Name VonKopfBisMond eine Balance von Denken und Träumen. In diesem Spannungsfeld fanden sich besonders zu der Entstehungszeit dieses Namens viele meiner Texte wieder.

 

 

 

 

weird: Du schreibst außerdem u. a. für das Literarische Diverse Magazine. Dies gibt es seit 2019, herausgegeben von Yasemin Altınay. Im Herbst 2021 erscheint Heft #4. Wie bist du auf das damals ganz neue Magazin für hauptsächlich BIPoC und LGBTIQA Stimmen aufmerksam geworden und wie kam es zur ersten Veröffentlichung deinerseits?

 

Ọlaide Frank: Da ich zu der Zeit etwa angefangen hatte, Texte bei Magazinen einzureichen und viel auf Instagram zu diesen Themen geteilt und gelesen hatte, sind Yasemin und ich dort quasi virtuell aufeinandergetroffen. Ich war von Anfang an begeistert von ihrem Projekt, sodass ich bei dem ersten Open Call für Ausgabe Eins der Literarischen Diverse teilnahm.

 

 

 

 

weird: Dein Lyrikband „Dunkelkalt“ ist nicht nur dein erstes Buch, es ist auch die erste Buchveröffentlichung im Literarische Diverse Verlag. Wie besonders ist das eine wie das andere für dich?

 

Ọlaide Frank: Obwohl ich so viel schreibe, ist das unglaublich schwer für mich in Worte zu fassen. Ich bin unglaublich dankbar. Bücher zu veröffentlichen war für mich immer ein großer Wunsch und ich freue mich über jede Rückmeldung zu dem Gedichtband. Die erste Buchveröffentlichung in diesem Verlag zu sein, ist für mich auch eine große Ehre und ich werde immer dankbar für das Vertrauen und die Zusammenarbeit sein.

 

 

 

 

weird: Deine Lyrik ist auf eine sehr persönliche und gefühlvolle Weise poetisch. In Themen wie Verlust, Identität, zwischenmenschliche Liebe und Akzeptanz spiegeln sich auch (unausgesprochen) deine Rassismus- und Sexismuserfahrungen. Die Ergründung und der Ausdruck deiner Gefühle stehen dabei im Mittelpunkt. Nicht das Politische, sagst du. Warum war dir das wichtig das auch im Vorwort herauszustellen?

 

Ọlaide Frank: Dankeschön! Mir war wichtig, mich dieser Erwartungshaltung an Bi_PoC politische Texte zu schreiben zu widersetzen. Unsere Existenz ist in weiß dominierten Räumen oft allein schon ein Politikum und es ist wichtig, dass wir auch in allen anderen Text- und Kunstformen Repräsentation finden. Wir verdienen es, uns selbst in Texten/Stücken/Filmen über Liebe, Freude, Party etc. wiederzufinden. Es ist wichtig Bi_PoC in diesen Rollen zu sehen und dass Bi_PoC solche Inhalte schreiben dürfen.

 

Gleichzeitig weiß ich, dass in vielen meiner Texte Politisches steckt, das ist dann aber meine bewusste Entscheidung mich mit Themen auseinanderzusetzen.

 

 

 

 

weird: Es scheint als gäbe es in der deutschen Gesellschaft, besonders auch seit der letzten Black Lives Matter-Protestwelle, zunehmend langsam etwas mehr Awareness was das Thema Diskriminierung marginalisierter Personengruppen betrifft. Dagegen sorgen Konservative und Rechte und auch „liberale“ Teile der „Gesellschaftsmitte“ für einen zunehmenden Backlash. Wie erlebst du das?

 

Ọlaide Frank: Genau so, eigentlich. Das Thema anti-Rassismus ist stärker in der Öffentlichkeit. Jedoch leider auch rechte Hetze und der regressive Gegenwind, der jetzt gefühlt viel gesellschaftsfähiger gemacht wurde, auch wenn er natürlich schon immer da war.

 

 

 

 

weird: Deine Arbeit zu deinem Buch „Dunkelkalt“ hat ziemlich genau vor/zu Beginn der Corona-Pandemie 2020 begonnen. Hat dir das geholfen durch die Pandemiezeit zu kommen?

 

Ọlaide Frank: Auf jeden Fall hat es mir geholfen, ein Ziel vor Augen zu haben, ja.

 

 

 

 

Was hilft dir in dieser Zeit und im Leben generell außer Gedichte schreiben und lesen?

 

Ọlaide Frank: Musik, Gespräche, Zukunftspläne machen oder über Zukunftsträume reden, Umarmungen, Tanzen und Pausen.

 

 

 

 

 

 

Interview: Christine Stonat (5/2021)

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