weirda                                       Satire!?

 

 

 

 

 

‘n bisschen bi …

 

2018 und eins kann sich nur wundern, wie viele uralte Klischees, Schubladen und Stereotype es heute in der Bevölkerung noch gibt. Vieles hat sich verbessert und doch überkommt eins manchmal das Gefühl, es hat sich doch nicht so viel geändert. Und alles scheint auf dem „rechten“ Wege zu sein und schlimmer zu werden. Dazu kommt, dass die Gesellschaft - oder sollte eins sagen die freie Marktwirtschaft? - regelrecht besessen zu sein scheint von Konstrukten Mädchen-Junge, Mann-Frau, straight-gay, nichttrans-trans (was war das noch mal gleich?). Trennen. Einsortieren. Fertig. Warum sich die Mühe machen und die Komplexität sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten zumindest respektieren, wenn eins sie schon nicht verstehen und akzeptieren kann?! Neulich erst sagte eine Person wieder den Klassiker „N bisschen bi schadet nie!“. Nö. Tut‘s nicht. Höchstens dann wenn du als bi Person bei geflissentlicher Ausübung deiner Bisexualität dir homo- und trans*hassende stereotypenliebende cis hetero Typen Gewalt antun wollen oder du als bisexuelle Frau mit deiner Ehefrau als Paar gemeinsam ein Kind adoptieren möchtest. Bisexualität ist übrigens mehr als nur sexueller Spaß mit Männern und Frauen. Bisexualität ist Teil persönlicher Identität. In einer heteronormativen Gesellschaft. Bisexualität meint darüber hinaus auch andere Geschlechter als nur Mann und Frau. Und auch Menschen, die trans* sind, können selbstverständlich bi sein. Und vor allem gibt es dafür keine Gebrauchsanweisung. Menschen bestimmen selbst, was sie sind. Identifizieren sich selbst. Ihre sexuelle Orientierung und ihre sexuelle Identität. Und manchmal dauert das im Leben eben auch mal etwas länger. Die Hetero-Cis-Norm prägt schließlich alle, einige mehr andere weniger. Und diskriminiert und marginalisiert alle, die nicht in die Norm passen. Aber jede_r hat das menschliche Recht die eigene geschlechtliche Identität und die sexuelle Orientierung zu leben und selbst zu bestimmen. Auch gesetzlich sollte es endlich so sein. Was insbesondere für inter* Kinder gilt. Und für eine „Dritte Option“ beim Geschlechtseintrag. Und wenn es bei der Selbstbestimmung immer mehr Selbstbezeichnungen und Begrifflichkeiten abseits der Begrifflichkeitsnorm gibt, viele aus dem Englischen, dann ist das eben so. Einfach weil es so ist. Und das respektiert werden muss. Menschen, die es nicht selbst betrifft, sind verwirrt? Die Menschen, die es betrifft, sind es in Teilabschnitten ihres Lebens garantiert noch mehr! Verwirrt und/weil diskriminiert. ‘n bisschen Respekt und Akzeptanz schaden nie!

 

Am 23.9. ist der Internationale Tag der Bisexualität - Bi Visibility Day.

 

(TS)

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Ausgabe Nr. 129

September 2018