weirda                                       Satire!?

 

 

 

 

 

 

Von allen guten Geistern

 

Die Angst geht um. Nein, es sind nicht die Geister zu Halloween, die uns Angst machen. Es ist das Schreckgespenst des Faschismus in Deutschland, Europa, den USA und der Welt. Und endlich scheint sich etwas in Deutschland zu Bewegen, wollen Menschen nicht mehr tatenlos zusehen. Dabei herausgekommen sind jüngst anti-faschistische und anti-rassistische Großaktionen wie das Festival #wirsindmehr Anfang September 2018 in Chemnitz und die Demonstrationsparade United Against Racism am 29.9.18 in Hamburg sowie die kommende Großdemonstration #unteilbar für Solidarität statt Ausgrenzung und eine offene, freie und solidarische Gesellschaft am 13.10.18 in Berlin (mehr s. diese aktuelle Ausgabe Nr. 130 Oktober 2018 „Mitte“). Endlich tut sich etwas. Endlich werden die Menschen mobil. Ja, wir sind mehr. Auch in den USA sind es mehr. Mehr Menschen haben zahlenmäßig 2016 die Demokratin Hillary Clinton gewählt. Mehr Menschen wählen auch in Deutschland nicht rechts. Und doch schreitet das rechte Heer scheint‘s unaufhaltsam voran. In den USA, in Deutschland, in Europa, der Welt. Reichen Demonstrationen um den Faschismus aufzuhalten? Warum scheinen Politik und Medien machtlos gegen die perfiden Hebel und Strategien? Mit den Rechten reden soll helfen, meinen einige. Oder zumindest mit denen, die noch nicht ganz an rechts verloren sind. Erfahrungen, auch eigene, zeigen, es macht keinen Sinn. Und was macht es dann erst für einen Sinn verstehen zu wollen, woher dieses Hassen, Verurteilen und Abwerten anderer Menschen kommt, wenn keine wirksamen Mittel dagegen da sind? Es gibt nichts zu sagen, was einen rechtsgestimmen Menschen auf links drehen könnte. Nichts Augenöffnendes zu sehen. Nichts Entlarvendes zu entdecken. Und wenn es wider Erwarten doch gelingen sollte, dann wachsen an anderer Stelle zwei neue Rechte nach. Als wären wir von allen guten Geistern verlassen. „Du sollst dein Leben nicht über das anderer Menschen und Lebewesen stellen“, heißt dabei doch eins von Gottes Geboten. Was also tun, wenn wir feststellen, dass wir sehenden Auges unaufhaltsam dem Weltuntergang entgegen reiten? Wir verfolgen tagtäglich wie Menschen und Freund_innen in den USA damit umgehen. Alle, die wir sehen, sind politisch bestens informiert und schweigen nicht. Aber sie tun noch mehr. Tagtäglich bringen sie die Liebe und Hilfsbereitschaft unter die Menschen, und wo immer sie sind, versuchen sie mit ihren Taten und Worten die Welt in ihrem Rahmen Tag für Tag ein klein wenig besser zu machen und zu dem Ort, den sich die Mehrheit der Menschen wünscht, zu einem Ort, an dem jede_r so sein kann und respektiert wird wie sie_r ist, offen, frei und solidarisch. Solidarisch mit denen, die marginalisiert sind und die nicht selbst kämpfen können. Hilfe leistend denen, die Hilfe benötigen. Eigene Privilegien hinterfragen, erkennen und abgeben. Kindern eine diverse Welt vorleben. Ein Licht ins Dunkle senden und sei es noch so schwach. Mit Respekt und Liebe Gemeinschaft schaffen. Unterstützung bieten. Gegenseitig stetig Hoffnung schenken, dass diese Art der solidarischen Gesellschaft, in der wir leben wollen, am Ende siegen wird. Im Kleinen, Vielfältigen unaufhörlich das Große, Mächtige, Einfältige entmachten. Was Besseres fällt uns auch nicht ein. Mögen alle guten Geister mit uns sein!

 

(TS)

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Ausgabe Nr. 130

Oktober 2018